Mein „Vater unser“

Ich bin katholisch erzogen worden. Habe mich in meiner Jugend komplett aus der Kirche zurückgezogen. Im Studium habe ich den Glauben neu entdeckt und wieder sehr in mein Leben geholt, bis hin zu mehreren Fastenzeiten im Kloster. Dann habe ich die Achtsamkeit und die verbindende Kommunikation für mich entdeckt. Eine Religion widerspricht nun meinem zentralen Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Vor dieser Zeit hat mir das „Vater unser“ seit meiner frühsten Kindheit sehr viel Kraft gegeben. Heute trennen mich die Worte von mir und von der freilassende Güte des Lebens, wie ich sie nun erlebe. Deshalb habe ich versucht dieses ursprüngliche Gebet, was so vielen Menschen Kraft und Hoffnung gibt, in meine heutigen Worte zu übersetzen.

Für mich spüren sich die Worte völlig unterschiedlich an, obwohl sie im Kern dasselbe meinen. Wie geht es Dir damit?

Vater unser, der du bist im Himmel Eywa1, die Du in mir wohnst und in allem Leben,
geheiligt werde dein Name Deine Liebe ist vollkommen und frei.
dein Reich komme, dein Wille geschehe Deine liebevolle Güte erfülle unsere Herzen, unser Sein und unser Tun
wie im Himmel so auf Erden in diesem Leben und in allem, was danach folgen wird.
Unser tägliches Brot gib uns heute Schenke uns inneren Frieden und lass uns einander nah sein in unserer Verletzlichkeit.
und vergib uns unsere Schuld Hilf uns ganz präsent bei uns selbst zu sein und uns anzunehmen mit all unserer Beschränktheit und Andersartigkeiten.
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und ich will aus dieser Selbstliebe heraus den Anderen in seinem So-Sein liebevoll begegnen.
und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von allem Bösen Hilf uns die gewohnten Bahnen zu verlassen und neue Wege zu gehen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit Denn Du bist das Licht, die Kraft und Lebendigkeit
in Ewigkeit. für alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen Tief in mir weiß ich, dass es stimmt!

 


Fußnoten

1 angelehnt an den Film „Avatar -Aufbruch nach Pandora“ – in dem mich die Darstellung allen Lebens sehr tief bewegt hat (- während die Kriegsszenen mich abgeschreckt haben).
Ob nun sie oder er, ist für mich einerlei. Ich denke das (grammatikalisch neutrales Geschlecht) Leben an sich ist reine Liebe und kennt keine Unterschiede mehr, weder Geschlecht, noch Weisheit, nach sonst irgendetwas. Ewya klingt weiblich. Ich persönlich verbinde Liebe auch mehr mit der Mutter, deshalb passt für mich die Darstellung im Film als eher weibliches Wesen auch gut.