Konzept unserer Lokalen Gruppe nach Gopal

Alles was ich (Andreas) im Folgenden über den Selbsthilfeprozess nach Gopal schreibe, entspricht meinem derzeitige Verständnis der zahlreichen Medien, die Gopal zu diesem Thema auf seiner Website anbietet. Falls Du meinst, ein Missverständnis entdeckt zu haben, darfst Du gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Ich denke, meine Verständnis wird sich noch mehr und mehr verdichten und ist bestimmt nicht perfekt.

Grundannahmen für den Selbsthilfeprozess

Ich (Andreas) denke, zunächst ist es für jeden hilfreich, dass ungewohnte reine Mitteilen des eigenen Zustands zu üben. Dies hilft sich in angespannten Alltagssituationen leichter regulieren zu können und entschärft so manchen Kontakt, wo innerlich das Gefühl von „Ich bin nicht OK“ oder „Ich habe was falsch gemacht“ mitschwingt und die Gefahr eines Recht-Haben-Wollens statt Verbindung entsteht.

Vielleicht hilft die Selbsthilfegruppe auch ein wenige das eigenen Bindungstrauma zu erleichtern (was wahrscheinlich die meisten mehr oder weniger haben), weil ich zumindest hier in der Gruppe mit meinen aktuellen Inneren Zuständen gehört werde. Wahrscheinlich brauchen schwere Bindungstraumata jedoch professionelle Begleitung, wie sie beispielsweise Gopal Norbert Klein in seinem Video „Beispiel-Sitzung Trauma und Bindung“ zeigt. Ich erkenne mich in der „Klientin“ sehr gut wieder: Die Unsicherheit im Kontakt, wo mein Verstand sagt, die darf doch gar nicht sein, weil der Kontakt doch so nett ist. Das ausweichende Lächeln und die vielen Gedanken, die mir einreden wollen, dass Rausgehen, mich abgrenzen und für mich sorgen jetzt nicht dran ist und eh nicht hilft. Und auch ich habe bereits die Erfahrung gemacht, wie sehr es mein Inneres beruhigt, wenn ich mir erlaube, die Situation kurzzeitig oder dauerhaft zu verlassen.

Das Video hat mich sehr begeistert. Allerdings ist diese Form der Begleitung nicht möglich in unserer Selbsthilfegruppe!

Struktur und Regeln für den Selbsthilfe-Prozess nach Gopal

Im Hauptteil (vgl. zeitlicher Ablauf) praktiziert reihum jeder für max. 10 Min. nach Stoppuhr das reine „Mitteilen“ seines momentanen Innenlebens, während alle anderen stets versuchen mit 100% ihrer Aufmerksamkeit liebevoll und zugewandt dem Sprecher zuzuhören.

„Wichtig dabei ist, auch die eigenen Grenzen zu wahren, z.B. „Ich möchte jetzt nicht mehr sagen““ (traumaheilung.net > Lokale-Gruppen-Gemeinschaft, abgerufen 2019-05-05)

Der Leiter (vgl. Abs. Leitung) greift ein, wenn:

  • die Zeit deutlich überschritten wird,
  • ein anderer reinspricht oder anders den Prozess stört,
  • die Aufmerksamkeit nicht mehr beim Sprecher ist
  • und wenn der Sprecher vom reinen Mitteilen abweicht
    (Hilfestellung durch die Leitung: „Was ist jetzt bei Dir? Was fühlst du gerade? Wo spürst Du das in Deinem Körper?“).

reines „Mitteilen“ des „IST-Zustandes“ nach Gopal

Was ist das?

Es geht darum, dass „alle äußeren Dinge weggelassen werden: Was war, was sein wird, Erklärungen, Umstände, Diskussionen, Probleme lösen wollen, all das stört den Prozess nur. Es geht darum sich gegenseitig zu sagen: ‚Ich fühle mich im Moment [lustig, traurig, erregt, verzweifelt, leer, glücklich, …]‘. Wenn die Sätze so beginnen seid ihr auf der sicheren Seite. … Sobald Sätze mit ‚Du…‘ anfangen haben wir die Ebene von ehrlicher Kommunikation verlassen, dann sind wir in Erklärungen, Verstehen-wollen, Angriff, Manipulation, usw.“ (Gopals ebook „Heilung von Beziehungen I“, Version 1.03)

Beispiele

  • „Ich fühle gerade nichts.“
  • „Ich fühle mich verwirrt und verstehe überhaupt nicht was los ist.“
  • „Ich habe Angst, das was da ist, mitzuteilen.“
  • „Ich fühle mich leer, fast als ob ich nicht existiere und habe das Gefühl es gibt nichts, was ich mitteilen könnte.“
  • „Ich fühle eine rasende Wut und Hass.“
  • „Ich sehne mich nach Nähe und Kontakt.“
  • „Ich fühle mich überfordert und habe das Gefühl ich brauche Rückzug.“
  • „Ich spüre eine gewisse Enge in der Brust. Ein trockne Kehle habe ich auch. Ich bin unsicher. Kann kaum Augenkontakt mit Dir halten.“

Quelle: u.a. Gopals ebook „Heilung von Beziehungen I“, Version 1.03 sowie eigene Beispiele

Sonderfall: Gedanken ausdrücken

Vielleicht am Anfang darauf ganz verzichten, weil wir sehr stark mit der Gedankenwelt identifiziert sind („Ich denke, also bin ich.“) und uns darin leicht verlieren können. Das verhindert das ehrliche Mitteilen Deiner Innenwelt.

Ansonsten nicht in den Gedanken „reinsetzen“, indem Du ihn 1 zu 1 aussprichst, sondern aus der Beobachterposition mit Abstand mitteilen, welcher Gedanke gerade in Dir aufkommt:

  • Statt „Du magst mich nicht.“
    verbindender sagen: „Ich denke gerade, dass Du mich nicht magst.“
    oder noch besser im Konjunktiv: „Ich denke gerade, dass Du mich nicht mögen würdest.“

  • Statt „Ich finde, wir sollten mehr in den Dialog gehen.“
    verbindender sagen: „Da ist der Gedanke in mir, dass wir mehr in den Dialog gehen sollten.“

  • Statt „Du bist total ausgehungert“
    mehr ich-bezogen und damit nicht angreifend sagen: „Ich denke über Dich, dass Du emotional total ausgehungert seist (bist).“
    nach Original-Beispiel aus Gopal-Floating-Sitzung

Dabei gleich jeweils die zugehörigen Körperempfindung und Gefühle mitteilen, die dieser Gedanke in Dir auslöst.

Die Sprechweise klingt zunächst wahrscheinlich komisch, weil ungewohnt. Doch durch die indirekt Aussprache des Gedankens, kommst Du mehr in die Beobachterposition und bist nicht dieser Gedanke.

Vgl. Gopals ebook „Heilung von Beziehungen I“, Version 1.03

Was darfst Du auf keinen Fall tun?

Jemanden anbrüllen oder wild beschimpfen (DU-Botschaften), z.B. „Du machst mich wahnsinnig mit Deinem durchbohrendem Blick“. Das geht überhaupt nicht, stört die Sicherheit in Gruppe und wird sofort unterbunden sowie keinesfalls toleriert.

Quelle: Mailwechsel mit Gopal (Mai 2019)

Was gehört nicht zum Mitteilen und wird gestoppt durch die Leitung?

  1. über nicht anwesenden Personen schimpfen („Mein Chef ist wirklich das Allerletzte …“)
  2. verallgemeinerte Aussagen treffen („Den Politiker ist es ja egal, wie es uns geht.“ oder „Die Theorie XY besagt, dass …“)
  3. andere Anwesende bewerten („Ich finde, Du bist nicht gut in Kontakt mit mir. Du willst gar keinen Kontakt aufnehmen!“ oder „Ich fand Deinen Prozess richtig gut.“)

Quelle: Mailwechsel mit Gopal (Mai 2019)

Was ist möglichst zu vermeiden und wird gestoppt, wenn es überhand nimmt?

  1. Erklärungen bzw. Analysen („Das hat mit meiner Mutter zu tun und kommt aus meiner Kindheit.“ oder „wahrscheinlich hängt meine Enge in der Brust mit meinem Stress mit dem Amt zusammen.“)
  2. Über Zukunft oder Vergangenheit sprechen („Ich war letzte Woche wieder mit meinem Jungen unterwegs … das war wunderschön … ich spüre JETZT noch seine Wärme.“)

Quelle: Mailwechsel mit Gopal (Mai 2019)

Weitere Infos dazu

„Hilfreiche Strukturen für ehrliches Mitteilen“ von Gopal
„Wie man Konflikte sofort auflöst“ von Gopal
„Mitteilen statt Bewerten in Paarbeziehungen“ von Gopal

Die innere Haltung beim Sprechen

Wichtig bei diesem Prozess ist, dass Du als Sprecher sowohl den Kontakt zu Deinem Innenleben hältst als auch den zu Deinem Umfeld, insbesondere den anderen Teilnehmern.

„Oft passiert es, dass wir uns nur auf uns selbst konzentrieren können wenn wir uns zuerst trennen, das kann ein Aspekt von Bindungstrauma sein. Wenn das so ist, dann kannst du versuchen während dem Erzählen gleichzeitig die anderen mehr und mehr wahrzunehmen, sodass du und die anderen gleichzeitig da sein dürfen. Leere deutet eher auf Trennung hin (die anderen sind weg), Überflutung eher auf zu sehr Bei-den-anderen-sein (ich bin weg).“ (traumaheilung.net > FAQ-Lokale-Gruppen, abgerufen 2019-05-05)

Die innere Haltung beim Zuhören

100% liebevolle Präsenz beim Sprecher, bedeutet nicht aktives Zuhören, also möglichst nicht Nicken oder zulächeln, weil dies den Prozess des Sprechers beeinflussen kann.

Es bedeutet auch nicht emotional mitzuschwingen, also selbst mitzufühlen, was der Sprecher gerade fühlt.

Dennoch sollte es nicht passiv sein, sondern möglich aktiv Blickkontakt gehalten werden oder zumindest auf ein Körperteil des Sprechers geschaut werden.

„F: Können die Zuhörenden auf bestimmte Mitteilungen wie „Dein Blick löst … bei mir aus“ nonverbal reagieren, also z.B. mit Lächeln, um den Sprechenden zu beruhigen oder sich selbst zu beruhigen?
A: Im Idealfall sollte es keine Interaktion geben, die Zuwendung der Gruppe sollte nur durch Aufmerksamkeit erfolgen. Wenn es mal geschieht, dass die anderen als Reaktion lächeln ist das aber kein Problem. Nur sollte darauf geachtet werden, dass niemand diesen Weg dauerhaft nutzt um doch in einen Austausch zu gelangen. Statt also mit Lächeln usw. zu reagieren, um ein unangenehmes Gefühl zu vermeiden wäre es besser dieses Gefühl mitzuteilen, wenn man mit Sprechen dran ist.“ (traumaheilung.net > FAQ-Lokale-Gruppen, abgerufen 2019-05-05)

„Zuhören ist heilig“ von Gopal

Fakten: Wer nimmt teil an unserer Lokalen Gruppe nach Gopal?

Gruppengröße

Diese Methode funktioniert auch schon zu zweit hervorragend, was die Organisation deutlich vereinfacht. 🙂 Wir haben die Gruppengröße auf 2-6 festgelegt.

Altersspektrum / Durchschnittsalter

Die Gruppe findet sich erst gerade. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass weder Lebensalter noch Erfahrung mit einem solchen Miteinander eine entscheidende Rolle spielen. Ich (Andreas) bin jedes Mal anders und erlebe den Prozess des Mitteilens auch oft unterschiedlich. Es ist eben ein offener Prozess, der ganz aus dem Jetzt lebt.

Berufe

Was Du machst und was Du hast, spielt bei uns gar keine Rolle. Sehr selten fragt Dich jemand überhaupt die üblichen Fragen (Alter, Beruf, Familienstand), weil wir uns durch das Ehrliche Mitteilen unserer Innenzustände ganz anders begegnen. In unserer Gruppe findest Du demzufolge eine bunte Mischung: Auszubildende, Angestellte, Selbständige, Rentner … und auch Vollzeitaktivisten.

Zeitlicher Ablauf

  • 30 Min. Eintrudelphase, damit sich keiner hetzen muss und wir dennoch möglichst gemeinsam anfangen können
  • 5-10 Min. Übungen zur Körperwahrnehmung, die eine zentrale Bedeutung für den Prozess hat
  • 5-10 Min Befindlichkeitsrunde
  • 30-90 Min. der eigentliche Hauptteil, also die „Lokale Gruppe“ nach Gopal: reihum hat jeder 10 Minuten seinen Inneren Zustand mitzuteilen und die anderen richten ihre ganze liebevolle Präsenz komplett auf den Sprecher
  • 5-10 Min. Verabschiedungskreis: Wir spüren der Energie der Verbundenheit nach und jeder kann sich in seinem Tempo aus dieser besonderen Atmosphäre verabschieden.

Leitung: Wer leitet das Ganze?

Diese Gruppe braucht eine klare Leitung, die auf die Einhaltung der obigen Regeln achtet.
Die Leitung ist jedoch zugleich auch Teilnehmer wie jeder andere.
Die Leitung übernehme i.d.R. ich selbst (Andreas). Sie kann jedoch auch gerne von anderen Teilnehmern übernommen werden. Wobei es ist immer nur einen Leiter gleichzeitig gibt.

Falls Du Probleme mit der Leitung oder dem Ablauf der Gruppensitzung hast, kannst Du dies gerne mit mir im Einzelgespräch außerhalb der Gruppentreffen klären.

Zum Weiterlesen