Vergleich Fühlraum, Gopal & Zuhörkreis

„Wer die Wahl hat, hat die Qual“ (Sprichwort)

… und zwar die Qual der Wahl. Und da möchte ich gerne etwas Licht rein bringen.

Wo sind die Unterschiede bei den Wir-Gruppen, die das eigene Innenleben in den Mittelpunkt nehmen?

Alle gemeinsam ist, dass Gefühle/Emotionen und Körperempfindungen mehr Aufmerksamkeit bekommen als Gedanken. Beim Zuhören geht es nicht darum den anderen inhaltlich zu verstehen, noch um eine Meinungsfindung, sondern um Einfühlung und liebevolle Präsenz aus dem Herzen statt aus dem Verstand heraus. Und wenn wir sprechen, teilen wir mehr unser momentanes Innenleben mit als über unsere Erlebnisse oder Sachthemen zu berichten. Wir kommen auch nicht in inhaltlichen Austausch über dies und das (außer gelegentlich im Zuhörkreis, wo es keine Regeln gibt), sondern vertiefen primär den Kontakt zu uns selbst. Durch dieses aufrichtige „Ganz-da-sein“, entsteht quasi nebenbei auch eine tiefe Verbindung untereinander.

Beim Fühlraum versuchst Du – für eine bewusst begrenzte Zeit (max. 10 Min.) – Deine Emotionen (alte Gefühle, die nicht leben durften) leben zu lassen und mit Deinem Verstand/Bewusstsein diesem Prozess bewusst „aus dem Weg zu gehen“, d.h. ihn in seiner eigenen Logik (in dem Verstand unverständlichen Weise) geschehen zu lassen. Du öffnest Dich also für eine begrenzte Zeit diesem Fühlprozess, durchlebst einige Gefühle und endest bei einem gelungenen Prozess am Ende automatisch in Entspannung, inneren Frieden o.ä. befreiten Zuständen.
Hierbei steht im Vordergrund, dass Du tief in Deinen eigenen Fühlprozess kommst. Dieser Prozess geschieht eher auf emotionaler Ebene und ggf. auch nonverbal ohne Augenkontakt mit den anderen.

Bei der Lokalen Gruppe nach Gopal versuchst Du Dein Autonomes Nervensystem zu beruhigen, indem Du für max. 10 Min. insbesondere Deine Körperwahrnehmung und Gefühle mitteilst sowie ggf. auch Körperbewegungen zulässt. Wichtig ist dabei, dass Du Deine Beobachtungen Deines inneren Zustandes in einer besonderen Art und Weise mitteilst (rein beschreibend, ich-bezogen und ausschließlich im Jetzt, vgl. Mitteilen nach Gopal).
Hierbei geht es um das authentisch-ehrliche Mitteilen und die Selbstregulierung der inneren Zustände. Dieser Prozess findet vornehmlich auf der körperlichen Ebene, der Ebene des Autonomen Nervensystems statt. Am Anfang schließen wir bewusst die Beziehungsebene innerhalb der Gruppe mehr oder weniger aus.

Beim Einfühlsamen Zuhörkreis versuchen wir jenseits der Normierung bewusst ohne jegliche Regeln in lebendig-einfühlsamen Kontakt mit uns selbst und untereinander zu kommen. Dabei bist Du eingeladen Dich ganz zu zeigen und nichts zu verstecken. Auch kleinste Störungen und individuelle Befindlichkeiten finden hier Raum, weil es ansonsten nichts in dieser Zeit zu erreichen gibt. Damit diese Offenheit nicht in Streit oder Ausagieren endet, gibt es einige Strukturelemente und Empfehlungen, die Dir helfen, die alten gewohnten Muster zu verlassen. So kann tiefe Verbindung untereinander entstehen und vielleicht zum ersten Mal das Gefühl ganz sein zu dürfen, zu Hause zu sein.
Hierbei steht also das „Wie geht es Dir gerade mit mir“ und umgekehrt im Vordergrund, wobei die Offenheit besteht, dass Du auch in einen Fühlprozess eintauchen darfst oder Dich im Ehrlichen Mitteilen nach Gopal übst. Somit findest dieser Prozess vornehmlich – aber nicht ausschließlich – auf der Beziehungsebene (Gedanken- und Verhaltensmuster überdenkend) statt.

Wie unterscheidet sich der Zuhörkreis von den anderen beiden Gruppen?

  1. Im Zuhhörkreis geht es uns – neben den Kontakt zu unserem Innenleben – auch darum, einen Übungsraum zu schaffen, wo ich mich trauen kann mich ganz zuzumuten, Dinge zu tun, die ich sonst in Gruppen nicht tue. Wobei es uns gleichzeitig wichtig ist, das sich alle damit wohlfühlen. Allerdings nicht in der Form, dass wir ständig versuchen zu erahnen, was den anderen an meinem So-Sein stören könnte und somit ständig im Außen sind statt bei uns selbst. Damit würden wir die Verantwortung für die Gefühle und Bedürfnisse der anderen übernehmen. Vielmehr dürfen wir darauf vertrauen, dass in diesem entschleunigten, achtsamen und lebendigen Raum, die anderen der Einladung folgen und verletzlich, ich-bezogen ausdrücken, wenn mein Mich-zumuten in ihnen unangenehme Gefühle auslöst. Beim Zuhörkreis ist also auch die Begegnung mit den anderen ein zentraler Aspekt, während beim Fühlraum das Miteinander im Augenblick möglichst keine Rolle spielen soll, um diesen fragilen Selbstklärungsprozess nicht zu stören. Insbesondere soll im Fühlraum gar kein Bezug auf das Gesagte genommen werden, auch nicht wie im Zuhörkreis in rein ich-bezogener Weise. Bei der Gruppe nach Gopal erfolgt das Bezug-nehmen erst, wenn die Gruppe schon vertrauter miteinander ist.
  2. Außerdem wollen wir uns in Absichtslosigkeit üben und damit eben nicht konzentriert unsere innere Prozesse entladen, etwas lernen, uns entwickeln oder andere Ziele erreichen. Diese Einladung zur Freiheit geht so weit, dass Du auch dauerhaft problemlos ein Absicht / ein Ziel im Zuhörkreis anstreben darfst, wobei Du stets eingeladen wirst, hineinzuspüren wie es für Dich ist, wenn Du von Deinem Streben ablässt. Beim Fühlraum geht es klar um das Ziel der emotionalen Entlastung und um das Erlernen des Umgangs mit „schwierigen Gefühlen“ bei mir und beim anderen. Und bei der Lokalen Gruppe nach Gopal geht es um das Einüben des Ehrlichen Mitteilens Deines momentan inneren Zustandes.

Wie unterscheiden sich die Methoden von Vivian (Fühlraum) und Gopal (lokale Gruppe)?

In beiden Konzepten geht es darum, fehlende sichere Bindungen aus der Kindheit nachzuholen und das eigene innere Erleben zu erleichtern. Dafür wird – im Gegensatz zum Zuhörkreis – ein bestimmter Prozess angestrebt, der allerdings in beiden Formaten eine unterschiedliche Ausrichtung hat.

Vivian

versus

Gopal

Zur Gruppen-Methode

Um ins Fühlen zu kommen, kann ich im Jetzt starten oder mich an Vergangenes erinnern (insgesamt 5 Zugangswege)

Jetzt

Das Mitteilen sollte sich ausschließlich auf den eigenen inneren Zustand im JETZT beziehen und nicht in Allgemeinaussagen, Bewertungen oder emotionales Ausagieren übergehen. Erklärungen, sowie erzählen aus Vergangenheit oder Zukunft sollten die Ausnahme bleiben.

Schwerpunkt liegt bei Emotionen (alten nicht ausgelebten Gefühlen), Traumata sind ggf. gar nicht lösbar damit.

Emotionen & Traumata

Hier geht es speziell um Traumata (Entwicklungs- oder Schocktraumata) allerdings nur soweit sie noch mit Selbstregulierung handhabbar sind.

Es geht darum alte nicht gelebte Gefühle (Emotionen) frei (in der bewusst begrenzten Zeit) leben zu lassen. Der Verstand hat dabei die Aufgabe, dem Fühlprozess bewusst aus dem Weg zu gehen, damit die Distanz zwischen der Instanz in Dir, die fühlt und der, die dies kommuniziert, möglichst null wird.

wesentlicher Unterschied

Bei Traumata ist es wichtig, dass Du sie nicht sich selbst überlässt in ihrer Ausdrucksform, d.h. hier sorgst Du bewusst mit Deinem Verstand für eine Selbstberuhigung/-regulierung, wirkst z.T. bewusst den spontanen erlernten Regungen entgegen. Deshalb geht es bei Gopals Methode um das beobachtende Mitteilen des eigenen Innenlebens, d.h. der Körperwahrnehmungen, Emotionen und Gedanken.

Weniger Vorschriften über die Struktur, z.B. Entladungs-Partnerwahl ist Geschmackssache, mehrere Runden möglich, auch im Alltag mit Ungeübten ansatzweise möglich …

Vorschriften

Klar vorgegebene Struktur, von der nicht abgewichen werden darf, u.a. spezielle Form des Sprechens, Augen geöffnet lassen, Mitteilen ist unverzichtbar, 100% Aufmerksamkeit nur beim Sprecher,
nur eine Runde pro Treffen max. 10 Min. ….

Gibt noch keine Selbsthilfegruppen in Deutschland. Vivian will noch eine Austauschplattform jenseits von facebook schaffen.

Gruppen

Gibt mehrere lokale Gruppen, die von Gopal auf einer Online-Karte eingetragen werden.

„Eigentlich ist es ganz einfach: Der eine schenkt Anteilnahme, die es einem anderen ermöglicht, mehr zu fühlen. Dadurch kommt ein Verarbeitungsprozess in Gang, den einer allein nicht hätte auslösen können.“1

Definition

„Ein einfacher Gruppenprozess, mit dem Menschen da wo sind sich begegnen können ohne Gefahr einer Überforderung und ohne Gefahr, dass leeres Gerede die wirkliche Begegnung stört.“2

Zur Person & zum Heilungsverständnis

Vivian Dittmar

 

Gopal Norbert Klein

Anerkannte Querdenkerin zum Thema emotionale Kompetenz, Buchautorin und Gründerin der „be-the-change“-Stiftung

Hintergrund

Heilpraktiker für Psychotherapie und [spiritueller] Heiler

Coaching für Alltag & Wandel für eine andere emotionale Kompetenz

Ausrichtung

Spirituelle Ausrichtung mit körperlicher & emotionaler Heilung als Vorstufe

Geschützte emotionale Entladungsräume, ggf. zusätzl. Körpertherapie; Parken sowie Selbst- & Fremdempathie + Abgrenzung lernen

Heilweg

1. körperl.: Nervensystem regulieren
2. Emotionen heilen
3. Geist [Verstand] heilen: Glaubenssatzarbeit
4. Meditation: alleins, Gleichmut …3

viviandittmar.net, München

Kontakt

traumaheilung.net, Dresden

Was ist der Unterschied zwischen Entladung und Ekstase oder Ausagieren?

Bei der emotionalen oder körperlichen Entladung ist immer Deine liebevoll kognitive Instanz (Dein liebevoller innerer Erwachsene) aktiv. Bei Vivians Methode, um ganz im Fühlprozess zu bleiben und nicht durch Gedanken abgelenkt zu werden und bei Gopals Methode um die Energie kontrolliert langsam oder zielgerichtet (wie bei einem Karateschlag) zu entladen (vgl. obige Gegenüberstellung „wesentlicher Unterschied“).

Bei der unbewussten Entladung durch Ekstase oder Ausagieren bist Du nicht nur ganz Dein Gefühl, sondern Du bist auch nur die verletzliche Instanz (Dein inneres Kind), das z.B. blind vor Wut um sich schlägt. Dein Bewusstsein ist ganz den alten Gedanken verfallen und begleitet nicht mehr liebevoll-annehmend bzw. achtsam-kontrollierend den Entladungsprozess. Eventuell mal sinnvoll, um starke Gefühlsblockaden aufzulösen, doch wahrscheinlich ist dies ebenso durch eine bewusste Entladung möglich, deshalb kann ich (Andreas) nur grundsätzlich davon abraten.

Im Rahmen unserer Selbsthilfegruppe kann nur eine langsame bewusste Entladung von der Gruppe mitgetragen werden, wo der Entladende immer in seiner Selbstverantwortung bleiben kann. Kontrolliertes Entladen durch gezieltes Schlagen und/oder Schreien (vgl. Gopals Floating 1b) kann auch bei bewussten Handeln aus dem Inneren Erwachsenen heraus nicht Teil einer Selbsthilfegruppe sein, alleine schon wegen der Lautstärke. Doch kann dies z.B. im Kampfsport gezielt erlernt werden, um in die Wut-/Aggressions-Kraft zu kommen und diese kontrollieren zu lernen.

Wie geht Absichtslosigkeit mit Schutzregeln und inneren Veränderungsprozessen zusammen?

Bei allen drei Lebwendigen Gruppen steht die Annahme, das Sich-einlassen auf das, was ist – ohne gezielt irgendwo anders hinzusteuern – im Mittelpunkt.
Aber absichtslos, ganz dem Prozess und dem Jetzt vertrauen, heißt nur, dass keiner eine Plan hat, wo der Weg lang geht und weder sich noch andere gezielt wohin führen will. Heilung oder Entwicklung kann auch in diesem absichtslosen Raum geschehen und sie kann großer Wunsch einiger Teilnehmer sein. Es ist auch nicht verboten, sich Entwicklung oder Heilung als Ziel für die eigene Gruppenteilnahme zu setzen. Doch ich (Andreas) empfehle, dies nicht zu tun, sondern ich möchte einladen, von dieser Zielstrebigkeit loszulassen und ohne Steuerung hin zur Veränderung stets auf den Prozess, die Kraft des Lebens, das Jetzt und das Fühlen zu vertrauen, ganz ohne kognitiv definierte Ausrichtung.
Es gibt Prozesse, wo der Begleiter durch Fragen den Prozess mehr steuert, eine Idee hat, was helfen könnte, z.B. „Woher kennst Du das? Woran erinnert Dich das? Welche Bilder kommen Dir dazu?“, „Was wäre, wenn Du …?“ oder „Und stattdessen willst Du …?“ – Wir lassen den anderen in seiner Selbstverantwortung bzgl. seines Prozesses und vertrauen auf die Selbstheilungskräfte und den Prozess, dass nichts gelockt oder ins Bewusstsein geholt werden muss. In der Lokalen Gruppe nach Gopal beschränken wir deshalb die Anleitung und Intervention ausschließlich auf die erwünschte Sprechweise und nicht in Richtung Unterstützung der Selbsterkenntnis.


Fußnoten

1 Vivan Dittmar, Der emotionale Rucksack, 1. Auflage, Originalausgabe © 2018 Kailash Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Seite 147 – zurück zum Text

2 www.traumaheilung.net/Vita-Gopal-Norbert-Klein.pdf – abgerufen am 04.08.2019 – zurück zum Text

3 www.traumaheilung.net/html/Traumaheilung-und-Spiritualität.html – abgerufen am 15.12.2018, nicht mehr online – zurück zum Text